B-Schein

Wohngeldamtautomat

So ein Interface lobe ich mir; einfach wie das iPhone. Drei Wahlmöglichkeiten, Ampelfarben, runde Preise. Was die organisatorische Infrastruktur der Wohlfahrt in Bremen angeht, so kann man den Behörden nix vorwerfen.

Ebenfalls modern:
Schwarzlicht auf der Toilette im Wohngeldamt. War natürlich schlecht für mich, der ich meine Venen nicht finden konnte, als ich mir dort schnell etwas Heroin spritzen wollte.

Schwarzlicht im Wohngeldamt

Was haben die ausgEHECkt?

Bild vom 28.5.2011

Große Angst in Bremen. Woher kommen die fiesen Gurken?

Bild vom 28.5.2011

Vielleicht aus Hamburg?

Solche Angstmache macht doch letztlich Spaß. Wichtig auch: „Deutsche verzehren 1,4 Milliarden Gurken pro Jahr“. Ich esse also rund siebzehneinhalb Gurken!

Nachtrag: Es waren gar nicht Gurken. Das ist generell bei Berichten in der Bildzeitung völlig egal.

Shoppingtempel

Use Akschen

Die „Waterfront“ in Use Akschen, im Bremer Westen, ist ein Magnet für Jugendliche. H&M, dreimal Starbucks, Schnellrestaurants, Kino und vor allem Primark. Rumhängen in Einkaufscentern scheint seit Jahrzehnten eine der liebsten Beschäftigungen von Jugendlichen zu sein. Bei mir war’s nicht anders.

Use Akschen

Use Akschen heißt übrigens „unsere Aktien(gesellschaft)“. Das ist der Name einer alten Schiffswerft namens AG Weser.

UFO

Universum Bremen

Unbekanntes Forschungsobjekt! Aber nicht mehr lange! Im Universum Bremen, direkt neben der Uni, kann man den Dingen in Form eines Erlebnismuseums auf den Grund gehen.

Gesundbrunnen

JobCenter Bremen Süd

Gesundbrunnen und Quell des sozialen Lebens. Sogar barrierefrei! Heutzutage heißt es JobCenter – der Arbeitslose ist Kunde ist König. BAgIS oder ARGE klang doch irgendwie besser.

Bremen 21

Bürger in Wut

Damit Bremen dem Zeichen der Zeit (lies: Wutbürger mit der Forderung nach direkter Demokratie) in nichts nachsteht, kann bei unserer Bürgerschaftswahl „BIW“ gewählt werden. Dank Rechtspopulist Jan Timke kann ich als Bürger in Wut wählen. Ausländer (=keine Bürger) oder entspannte Leute sind davon jedoch leider ausgenommen 🙁

Alki-Frühstück

Alki-Frühstück

Ich wohne ja in der alten Neustadt Bremens. Und damit man alt und neu auch auf jeden Fall immer verwechselt, liegt dort der Neue Markt. Also der Neue Markt in der alten Neustadt. Da wohne ich.

Für mich gibt es vor allem ein Charakteristikum für diesen 1,45 km², 6145 Einwohner starken Stadtteil: die Alkoholiker!

Neulich im Supermarkt kaufte der Typ hinter mir jene Dinge, die ich heimlich geknipst habe: Ein Pulle Korn, zweimal die gute ja!-Chili-con-carne-Dose (80ct, 800g, kann man kalt essen – ebenfalls ein Hit unter Obdachlosen) und ein Sechserpack Zitronenlimonade.

Sollte ich also mal so richtig abstürzen, dann weiß ich, wie ich günstig esse und trinke.

Alle Richtungen

Alle Richtungen

Vor allem in Frankreich gibt es oft das Schild „toutes directions“. Mir erschließt sich das nicht so ganz, denn ich will eigentlich immer in EINE Richtung.

In Bremen kann man in alle Richtungen.
Ich komme mir bei dem Gedanken dann immer vor, als lebte ich auf einer kleinen Insel, denn bis nach Niedersachsen ist es nur einige Minuten mit dem Fahrrad. Und zugegebenermaßen, in der Lokalpresse hört man nichts vom Afrika Deutschlands (Umrisse, Landwirtschaft, arm, schwarz [och, Marcus, gar nicht witzig]), sondern nur von Bremen.

Sielwall-Kreuzung

Sielwall-Kreuzung

Die berühmte Kreuzung am Sielwall. Sie ist Herz des „Viertels“, des schlechthinnigsten Stadtteils Bremens, der unter jugendlichen Szenegängern auch über die Grenzen hinaus bekannt ist. Nachdem die 68er das Viertel berühmt gemacht hatten, finden sich auch heute noch flippige Menschen in den Kneipen und Cafés. Die Wohnungspreise bilden diese angehende Gentrifizierung entsprechend ab.

Ebenfalls gibt es im Viertel eine kleine Sackgasse, die durch eine Mauer abgesperrt ist: Sie gleicht der berüchtigten Herbertstraße in Hamburg, der roten Meile. Fast direkt gegenüber davon bekommt man seine Drogen. Im Fehrfeld ist es in der Regel kein Problem, illegale Drogen zu kaufen.
All diese „wilde Urbanität“ spricht für einen Quadratmeter-Preisanstieg, oder?

Die Kreuzung Sielwall/Ostertorsteinweg ist öfters in den lokalen Medien: Immer wieder unterbricht die Polizei nachts an den Wochenenden das traut-muntere Fußballspiel einiger Teens und Twens, die sich nicht damit abfinden wollen, auf Zuruf der Polizei ihr Spiel abzubrechen. Randale und Schlägereien sind in der Regel die Folge.

Buten un binnen – wagen un winnen

Altbremer HäuserButen un binnen – wagen un winnen

Das ist das Motto Bremens. Es heißt: draußen und drinnen, wagen und gewinnen.
Die so genannten „original altbremer Häuser“ verbinden mit ihren Lauben beides: draußen und drinnen.
Und obwohl Bremen die zehntgrößte Stadt Deutschlands ist, wirken die Viertel oft dörflich – ob der kleinen, gedrungenen und schmalen Häuser. Schmal, weil die hanseatische Politik Bremen besagte, dass jeder Bürger Hauseigentümer sein solle. Je nach Reichtum wurde dann lediglich die Breite der Häuser angepasst, Höhe und Tiefe blieben gleich.

Wie in L.A.

Bahnhof Bremen

Der Hauptbahnhof in Bremen. Ein wilder Ort.

Vor dem Bahnhof habe ich bisher die kuriosesten Dinge in Bremen erlebt. Von Schlägereien, in die ich zum Glück nicht involviert war, bis zu kollabierenden Obdachlosen war vieles dabei, was nicht so schön ist.
Auf dem Platz davor gibt es viele Skater, die – man achte auf die lange Leine – gern mal die Schuhe eines Unterlegenen über die Höhe werfen, so dass die zusammengeknoteten Schuhe hängen bleiben. Dieser Habitus kommt, soweit ich weiß, aus Los Angeles. Ebenfalls ähnlich zu Süd-LA sind die sporadischen Schießereien, die es auf der Partymeile jenseits des Bahnhofes in Bremen gibt.

Schirmliesel

Schirmliesel

Unten an unserem Haus ist ein Stencil (=Schablone) gedruckt: ein Mensch, vermutlich eine Frau, in Pippi-Langstrumpf-Ringelsocken, mit Sonnenschirm und Brille. Das Motiv findet man an vielen Orten in Bremen. Bei Wind und Wetter steht also unser Schirmliesel neben der Garage und betrachtet das Haus.

Arkadien

Arkadien

Willkommen in Arkadien – zumindest einem weiteren Versuch dessen. Häfen scheinen sich anzubieten: der Medienhafen in Düsseldorf, der Kreativ-Hafen in Münster und vor allem Hafen-City in Hamburg. In Bremen ist das nicht anders. Da findet man blumige Wörter wie „Hafenkante“, „Weser Quartier“, „Newport“ oder „Wohnen am Kaffeequartier“.

Als ich die Trabantenstadt erkundete, traf ich auf Einöde, Einsamkeit und Geisterstimmung. Ebenso auf hohe Preise in der Pizzeria. Wer dort wohl wohnt?

Ich denke gerade an die Satelliten- bzw. Trabantenstädte der bisherigen Jahrzehnte. Schon vor dem Krieg entwickelten Architekten Ideen, wie mensch in Zukunft wohnen könnte. Gropiusstadt in Berlin, Lößnig in Leipzig oder der Blockdieck in Bremen zeugen davon. Nicht selten versprach man sich von diesen „Quartieren“ viel. Euphemistisch z.B. in Bremen „Gartenstadt“ genannt, denkt man bei den Gegenden heute nur noch an „Platte“. Wohnen im Silo. Anonym, günstig und in einer sozialen Sondersituation. Ein sozialer Erfolg war das nie. Dennoch wird heute immer noch gebaut. Zumindest soziale Segregation wirkt da vorprogrammiert.

DENN:

Saubere Wände