Im Sommer durch die Straßen ziehen

Capitalism

Im Sommer sind die Straßen immer so schön warm. Da mache ich gern abendliche Spaziergänge, bei denen oft auf Jagd nach interessanten Graffiti gehe. Man entdeckt dabei in Bremen viele schöne, auch unerwartete Beispiele der Straßenkunst. Stencils, Graffiti und Aufkleber, dazu gibt es öfters noch aufgeklebte Zeitungsbögen, Kacheln und kleine Gegenstände, die an den Wänden kleben.

(Man beachte auch den hippie-esken Birkenstock-Fuß im Bild, mit dem ich letztlich eine Anti-Spießer-aber-irgendwie-doch-Spießer-Legitimität bewahre)

Graffiti Uni Graffiti Neustadt Graffiti Mitte Graffiti Utbremen Graffiti Sternschanze Graffiti Palermo Graffiti Neustadt Graffiti Leipzig Südvorstadt

Urlaub!

„Grad ma eben in Lohn und Brot, und schon Urlaub?“

Jawohl. Wir waren für neun Tage in Siziliens wildem Westen.

Montagna di Erice

Blick über West-Sizilien vom Berg Erice bei Trapani.

Riserva naturale orientata dello Zingaro

Der Naturpark Zingaro, unweit vom Mafia-Nest Castellamare del Golfo

Riserva naturale orientata dello Zingaro

Oh, wie mediterran…

Palermo Quattro Canti

Alte, rostig-rüstige Straßen in Alt-Palermo im Viertel Vucciria, einem seit dem 2. Weltkrieg halb zerstörten Stadtteil, der heute von den Studenten belebt wird.

Integrationskurse in der Neustadt

Integratioskurse

Man kann von der Integrationsdebatte nicht halten, was man will. Sie ist dämlich, fehlgeleitet und der Kardinalfehler ist, dass man über jemanden redet, der aber meist gar nicht dabei ist. Daraus sind halbrechtspopulistische Kampfbegriffe wie „Multikulti“ entstanden, die heute sowohl von offen Fremdenfeindlichen verwendet werden, wie auch von Angela Merkel.

So lange man sich nicht für seine Nachbarn interessiert und die Kommunen weiterhin die soziale Segregation in den Außenbezirken der Städte vorantreiben, da sie dort neuen günstigen Wohnraum etablieren, gibt es keinen Dialog und kein Aufeinanderzugehen.

Lustigerweise ist die Adresse auf dem Plakat genau jene, an der ich inzwischen „integrierte“ Ausländer unterrichte.
Auch muss ich nicht so negativ sein: lediglich aufgrund der zum Teil verrückten Sozialsysteme Deutschlands ist es mir möglich, für den zweiten Arbeitsmarkt zu arbeiten. Meine Kollegen, die diese Integrationskurse anbieten, werden auch vom Staat bezahlt.

Kinderträume

Knderträume

Kennt ihr das auch? Über Jahre und Jahre habe ich nicht mehr daran gedacht, dass es in der Spielzeugabteilung eine Vollausstattung für Kinder-Hilfs-Sherriffs gibt. Ich hatte das wirklich ganz und gar vergessen. Wann ich das letzte Mal daran gedacht habe, fällt mir auch nicht mehr ein. Vermutlich vor rund 15 Jahren.

Preise und Firma „Ideal Western“ scheinen immer noch die gleichen zu sein. Inzwischen ist es halt Euro, aber ich kann mich vage daran erinnern, dass die Blechhandschellen, die ich auf jeden Fall einmal umgelegt hatte, ebenfalls 5,99 DM kosteten.

Und es waren auch immer 288 Schuss.

Spülen im Altersheim

Schwester Patrick

Da ich als Spüler/Geschirrpfleger natürlich nicht fest angestellt bin, werde ich manchmal von meinen Zuhältern an anderen Orten eingesetzt. Wesentlich ruhiger, aber auch langweiliger ist die Schicht im Altersheim bei mir um die Ecke.

Ich habe ja nie Zivildienst gemacht. Damals wie heute fehlt mir das nicht, aber ich wusste eben auch gar nicht, wie es in so einer „Altersresidenz“ läuft.
Unter den Pflegerinnen und Pflegern ist eigentlich immer eine relativ gereizte Stimmung – vor allem wegen der starken Heterogenität der Mitarbeiter. Ich bin nämlich nicht der einzige, der ausgeliehen fremd arbeitet. Viele Pflegerinnen sind neu und kennen nicht die Eigenarten und Vorlieben der alten Menschen. So kommt es oft zu Missverständnissen und Streit.

Zum Abendessen um 17.30 Uhr brachte ich das übliche Menü zu Frau Resmer. Sie ist die Älteste im Wohnheim: 98 Jahre. Ein warmer Kräutertee und zwei Toastbrote, ohne Rand, eines mit Butter und Honig, das andere mit Marmelade. Nicht mehr.
Im Zimmer saß Frau Resmer auf ihrem Bett. Sie hielt einen Wecker in ihrer Hand. Einer dieser großen mit den Glocken dran. Sie blickte mich mit müden Augen an. Als ich mich nach ihrem Befinden erkundigte, blickte sie auf ihren Wecker, der laut tickte, und seufzte
„Ach, wann ist es denn endlich vorbei? Alles tut mir weh. Meine Hand tut so weh.“
Ich war erstaunt, überrumpelt und hingerissen. Ich wusste nicht recht etwas zu sagen, also appellierte ich an eine diffuse Hoffnung, dass alles besser werde und schnitt ihr das Brot in kleine Stückchen.