Spülen im Altersheim

Schwester Patrick

Da ich als Spüler/Geschirrpfleger natürlich nicht fest angestellt bin, werde ich manchmal von meinen Zuhältern an anderen Orten eingesetzt. Wesentlich ruhiger, aber auch langweiliger ist die Schicht im Altersheim bei mir um die Ecke.

Ich habe ja nie Zivildienst gemacht. Damals wie heute fehlt mir das nicht, aber ich wusste eben auch gar nicht, wie es in so einer „Altersresidenz“ läuft.
Unter den Pflegerinnen und Pflegern ist eigentlich immer eine relativ gereizte Stimmung – vor allem wegen der starken Heterogenität der Mitarbeiter. Ich bin nämlich nicht der einzige, der ausgeliehen fremd arbeitet. Viele Pflegerinnen sind neu und kennen nicht die Eigenarten und Vorlieben der alten Menschen. So kommt es oft zu Missverständnissen und Streit.

Zum Abendessen um 17.30 Uhr brachte ich das übliche Menü zu Frau Resmer. Sie ist die Älteste im Wohnheim: 98 Jahre. Ein warmer Kräutertee und zwei Toastbrote, ohne Rand, eines mit Butter und Honig, das andere mit Marmelade. Nicht mehr.
Im Zimmer saß Frau Resmer auf ihrem Bett. Sie hielt einen Wecker in ihrer Hand. Einer dieser großen mit den Glocken dran. Sie blickte mich mit müden Augen an. Als ich mich nach ihrem Befinden erkundigte, blickte sie auf ihren Wecker, der laut tickte, und seufzte
„Ach, wann ist es denn endlich vorbei? Alles tut mir weh. Meine Hand tut so weh.“
Ich war erstaunt, überrumpelt und hingerissen. Ich wusste nicht recht etwas zu sagen, also appellierte ich an eine diffuse Hoffnung, dass alles besser werde und schnitt ihr das Brot in kleine Stückchen.

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